Rommerskirchen (NGZO). Die Mitarbeiter der Rommerskirchener Tafel werden massiv gemobbt: Sie erhalten Drohbriefe und Anrufe. Leiterin Heidrun Zellekens hat Anzeige erstattet. Sie bedauert, dass es ihrem Team so schwer gemacht wird, Gutes zu tun.
Rommerskirchen Heidrun Zellekens lässt sich eigentlich nicht so leicht unterkriegen. "Aber mittlerweile wissen wir nicht mehr weiter. Wir können nicht mehr." Die Mitarbeiter der Rommerskirchener Tafel werden massiv schikaniert. Im Ort bekommen sie zu hören, dass sie den Bedürftigen, die "nur zu faul zum Arbeiten" seien, nicht helfen sollen. Es werden Gerüchte gestreut, dass sich die Mitarbeiter von den Lebensmitteln, die sie verteilen, die besten für sich selbst mitnehmen. Das Team der Tafel wird zuhause telefonisch belästigt, und in den Straßen, in denen sie wohnen, bekommen sie und alle Nachbarn Drohbriefe.
Den neuesten Brief hält Heidrun Zellekens in der Hand "Die Tafeldiebe von der Wickgasse 1 a" steht darauf, das Wort "Wyckgasse" ist falsch geschrieben, es folgen die Initialen des Mitarbeiters, der dort wohnt. Jetzt hat das Team der Tafel bei der Polizei Anzeige erstattet. "Das muss aufhören. Denn wir tun doch nichts Unrechtes, im Gegenteil", sagt die Leiterin der Tafel. Die Polizei hat die Anzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede von der Tafel entgegengenommen. Leider käme so etwas häufiger vor, so Polizeisprecher Hans-Willi Arnold. Die Ermittlungen dauern an.
Die Tafel
Gründung Mai 2009
Mitarbeiter Das Team von Heidrun Zellekens besteht aus 15 Mitarbeitern.
Berdürftige Etwa 120 Menschen suchen die Essensausgabe an jedem Mittwoch auf.
Gebäude Sechs Jahre stand das ehemals von der Gemeinde genutzte Gebäude an der Kastanienallee 23 leer. Die Mitarbeiter haben geputzt und geräumt, die Hecke geschnitten und alles so hergerichtet, dass das Gebäude – wenn es auch keine Heizung hat – genutzt werden kann.
Als Mitglied der Grevenbroicher Existenzhilfe stellte Zellekens fest, wie viele Bedürftige aus Rommerskirchen dorthin kamen und gründete im vergangenen Mai die Rommerskirchener Tafel. Von vielen im Ort bekam die Institution seitdem Unterstützung, "ich habe viele tolle und hilfsbereite Menschen kennen gelernt". Doch rasch nach der Gründung begann auch der Ärger. "Wenn irgendwo im Ort Müll abgeladen wird, stehen am Mittwoch bei der Essensausgabe die Leute auf der Matte und beschweren sich, dass das unsere Bedürftigen gewesen seien." Die Gemüsereste und der Laubbehälter an der Kastanienallee zögen Ratten an – allerdings leeren Menschen, die nicht zur Tafel gehören, auf dem Gelände ihre Essensreste ab, und das zieht die Tiere an. Auch Sperrmüll wird ungeniert vor dem Haus abgestellt.
"Wir nehmen doch niemandem etwas weg", sagt Zellekens. "Die Lebensmittel, die wir verteilen, werden in den Geschäften nicht mehr verkauft und würden sonst weggeworfen. Wir investieren so viel, um Gutes zu tun, und dennoch greift man uns an. Besonders für meine Mitarbeiter tut mir das so Leid." Die 53-Jährige selbst ist jede Woche 40 bis 50 Stunden für die Tafel unterwegs, holt Essen bei den Geschäften ab, teilt es aus, organisiert die Kleiderkammer und fährt die Lebensmittel zu denen, die nicht selbst zur Kastanienallee kommen können. "Daher wahrscheinlich die Gerüchte, wir würden Essen für uns selbst mitnehmen – natürlich lade ich manchmal Kisten in mein Auto." Was hinter den Gerüchten und Briefen steckt, weiß Zellekens nicht. "Vielleicht sehen manche Armut als einen Makel. Wir hoffen, dass das aufhört. Das Vertrauen der Leute, die hierher kommen, um ihre Existenz zu sichern, haben wir uns gerade erarbeitet. Es wäre schade, wenn wir es verlieren würden."
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