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Rommerskirchen: Schützen gegen Rechts

VON SEBASTIAN MEURER - zuletzt aktualisiert: 26.03.2010 - 21:30

Rommerskirchen (NGZ). Bei den Historischen Schützen aus Rommerskirchen und Dormagen informierte Dr. Thomas Pfeiffer drüber, wie Rechtsextreme Jugendliche für sich gewinnen. "Gelebte Demokratie" sei das beste Gegenmittel.

Info

Problemlösungen

Probleme mit Rechtsextremen bei Schützenfesten oder gar in ihren eigenen Reihen haben die sechs Rommerskirchener und fünf Dormagener Bruderschaften zwar nicht: Dennoch sollten sie Wolfgang Kuck zufolge "über die Ortsgrenzen hinaus schauen". Kuck: "Man kann nicht einfach davon ausgehen, dass es Rechtsextremismus bei uns nicht gibt. Gerade als Schützen stehen wir in der Pflicht, solche Strömungen erkennen zu lernen, entgegenzuwirken."

"Gemeinschaft" ist für die Schützenbruderschaften stets ein zentraler Wert gewesen. Doch Gemeinschaft ist nun einmal nicht gleich Gemeinschaft, wie jetzt beim Bezirk Nettesheim im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften in Frixheim deutlich wurde: Dr. Thomas Pfeiffer, im NRW-Innenministerium für den Verfassungsschutz zuständig, widmete sich einem überaus brisanten Thema: "Erlebniswelt Rechtsextremismus – Menschenverachtung mit Unterhaltungswert" betitelte er seinen Vortrag im Schützenhaus. "Spaß zu haben" ist nach den Ausführungen des Experten ein strategisches Instrument rechtsextremer Gruppierungen, junge Leute zu erreichen und sie mit ihrem "Gedankengut" in Kontakt zu bringen.

Schneeballeffekt

Dabei setzen die Rechtsextremen auf den Schneeballeffekt, um ein immer größeres Potenzial rekrutieren zu können, wie Pfeiffer anhand von Beispielen deutlich machte. Musik, Video-Clips, Comics und andere Medien werden hierfür genutzt. "Hier wird mit besonders verfänglichen Botschaften die Erwartungshaltung aufgebaut, Mitglied einer festen Gemeinschaft werden zu können", erklärte der Experte die Vorgehensweise der Rechtsextremen.

Die Hoffnung, in einer solchen Gemeinschaft Halt zu finden, ende allerdings als Irrglaube, "die brutale Kluft zu Kameradschaft und Freundschaft wird dem Einzelnen zu spät bewusst", betonte Thomas Pfeiffer. Als "Zwangsgemeinschaft, in der der Einzelne ein Nichts" sei, beschreibt etwa der Aussteiger Stefan Michael Bar die Neonazi-Szene in seiner Autobiografie. Der Weg in eine solch vermeintliche Gemeinschaft sei leicht, der Weg hinaus jedoch oft ungemein schwer, wie auch Pfeiffer bestätigte.

Die genannte "Erlebniswelt Rechtsextremismus" verlocke Jugendliche und mache die Szene für sie attraktiv. Ein besonderes Problem: "Tarnungstendenzen nehmen zu. Rechtsextremismus ist nicht immer auf Anhieb erkennbar", so der Vertreter des Ministeriums. Enttarnung und die Entlarvung seien wichtige Mittel, um hier gegenzusteuern und zwischen der Realität und vollmundigen Versprechungen zu unterscheiden.

Wichtigstes Gegenmittel zu rechtsextremen Tendenzen sei "gelebte Demokratie", laute das Fazit des Referenten.

Eine lebhafte Diskussion schloss sich dem Referat an: Dass der Rechtsextremismus kein Thema aus der verstaubten Schublade ist, war allseitiger Konsens. Für die Bruderschaften im Besonderen, jedoch alle Vereine im Allgemeinen gibt es Bundesmeister Wolfgang Kuck zufolge "die Chance, eine wirkliche demokratische Gemeinschaft vorzuleben und den Einzelnen erleben zu lassen, dass seine Würde unantastbar ist."

Quelle: NGZ


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