Rommerskirchen (NGZ). Nach der Bürgermeisterwahl 2004 hat sich Willi Schumacher, früher Sprecher der größten Bürgerinitiative am Gillbach, aus der Politik zurückgezogen. Für ihn gibt es keine Themen mehr, die die Bürger bewegen.
Ein kritischer Geist
"Ketzerische" Thesen vertritt Willi Schumacher angesichts des politischen "Mainstreams" am Gillbach immer noch: "Ich stehe neuen Umgehungsstraßen kritisch gegenüber. Für viele Bürger hat die B 59n höhere Belastungen gebracht", sagt er unter Hinweis auf die in Teilen des Orts deutlich vernehmbare Geräuschkulisse.
Was macht eigentlich Willi Schumacher? Ein Jahrzehnt lang gehörte er zu den einflussreichsten Akteuren auf Rommerskirchens politischer Bühne. Inzwischen ist es ruhig geworden um ihn. Bei der Kommunalwahl 2009 hat der UWG-Mitgründer und langjährige Vorsitzende der Wählergemeinschaft zwar noch einmal pro forma kandidiert, doch "mehr aus Pflichtgefühl", wie er sagt.
Eine Rückkehr in die Kommunalpolitik schließt der 61-Jährige aus: "Unter Albert Glöckner kann man den Rat ruhig auflösen, er ist zu einem unnötigen Ballast geworden, der nur Geld kostet", kommentiert er den Mangel an kontroversen Diskussionen mit alter Bissigkeit. Wobei er einräumt, dass dies auch am Mangel an Themen liege, die eine große Zahl von Bürgern dazu bewegen könnte, sich einzumischen. Zu seiner Glanzzeit war das anders: Die aus dem Protest gegen eine in Neurath geplante Müllverbrennungsanlage hervorgegangene UWG habe sich 1994 zum Ziel gesetzt, "Rommerskirchen aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Und das ist uns gelungen", sagt der Mann, der sogar das Copyright für die spätere Kandidatur des Bürgermeisters für sich reklamiert. "Ich habe ihn als erster ins Gespräch gebracht, wobei ich damals gar nicht wusste, dass er Mitglied der SPD ist."
Knallharte Opposition. Dies war seine Position (und die der UWG) gegenüber CDU und SPD und ihren Frontmännern Peter Emunds und Paul-Rolf Essel. Gegenüber Albert Glöckner, den Schumacher von Kindesbeinen an kennt, ist sein Verhältnis ambivalenter: Nur durch die Hilfe der UWG konnte der Sozialdemokrat 1999 Bürgermeister werden, doch bei der Wahl fünf Jahre später wollte Schumacher als Bürgermeisterkandidat seinen Beitrag dazu leisten, Glöckner abzuwählen – was misslang und den Ausschlag für seinen Rückzug aus der Politik gab. So sehr er den Politik- und Führungsstil Glöckners kritisiert, steht für ihn außer Frage, "dass er die Gemeinde voran gebracht hat."
Zu mindestens 60 Fernsehauftritten kam Schumacher als Sprecher der Bürgerinitiative "Für ein gesundes Rommerskirchen", die sich von 1998 bis 2006 gegen die von der früheren Metallhütte Schumacher ausgehenden Belastungen wandte. Im Oktober 1998 führte eine vom Kreis erlassene und erst sieben Jahre später aufgehobene Verzehrsempfehlung für bestimmte Gemüsesorten zum größten Massenprotest, den es am Gillbach je gab und der in die Gründung des Centers am Park münden sollte. "Ich habe fünf Jahre meiner Freizeit dafür investiert", so Schumacher. Noch heute freut ihn, dass sich die Bürger durchsetzen konnten.
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