Rommerskirchen (NGZO). Das Tierheim Oekoven musste im vergangenen Jahr so viele Katzen wie noch nie beherbergen. Die Tierschützer starten deshalb den Appell: Nur durch Kastration ist es möglich, der ungebremsten Vermehrung Einhalt zu gebieten.
Oekoven Rambo sitzt auf der Fensterbank und hat alles im Blick. "Hey, wie geht's Dir?", fragt Margot Schneider, als sie den Raum betritt. Rambo reckt sich. "Ich bin groß, ich bin der Stärkste", scherzt sie mit Blick auf den Vierbeiner – ein weißes Hündchen, klein aber selbstbewusst. "Wahrscheinlich ein Chihuahua-Malteser-Mix. Er ist bei uns abgegeben worden wegen Bissigkeit." So ein Kerlchen ist offenbar nicht zu unterschätzen.
Ortstermin im Tierheim Oekoven: Margot Schneider (60), die diese Einrichtung seit Mitte der 1990er Jahre leitet, spürt man an, dass sie in ihrem Beruf aufgeht. Der verlangt indessen ganzen Einsatz. Allein bis kurz vor Weihnachten wurden im vergangenen Jahr rund 700 Katzen, knapp 300 Hunde und weitere 500 Kleintiere aufgenommen. Jetzt, nach den Feiertagen, herrscht erst einmal Ruhe.
Tierheim Oekoven
Das vom Tierschutzverein für den Kreis Neuss getragene Tierheim Oekoven liegt im Bereich des alten Bahnhofs. Telefonisch und per Fax ist es erreichbar unter der Rufnummer 0 21 83 / 75 92, geöffnet montags bis donnerstags von 15 bis 17 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr sowie nach Vereinbarung.
Bello, Mieze und Co., die als tierische Geschenke auf dem Gabentisch lagen, haben noch Schonfrist. Die Erfahrung zeigt: Erst Karneval – "dann wollen alle Leute raus" – und Ostern – "wenn der Urlaub ansteht" – zeigt es sich, ob menschliche Interessen und tierische Bedürfnisse tatsächlich in Einklang zu bringen sind. Was auffällt, ist die große Zahl an Katzen, die im Laufe des vergangenen Jahres in Oekoven Aufnahme gefunden haben. "So viele hatten wir noch nie", sagt Margot Schneider und verknüpft dies mit einem Appell: Zwar sei es löblich, wenn Tierfreunde für wilde Katzen Futterstellen einrichten würden. "Aber das reicht nicht." Wichtig sei, dafür zu sorgen, dass sie kastriert werden, um der ungebremsten Vermehrung einigermaßen Herr zu werden.
Wie steht es dabei um die Kapazitätsgrenzen? "Bis jetzt haben wir es immer noch geschafft, alle Tiere aufzunehmen, die wir aufnehmen mussten", erklärt Margot Schneider. Kein Vergleich beispielsweise zum Berliner Tierheim Falkenberg, das kurz vor Weihnachten bei 1400 heimatlosen Haustieren, die dort Obdach fanden, wegen Überfüllung Schlagzeilen machte. Bauprojekte sind aber auch in Oekoven immer ein Thema. Zuletzt waren 2008 neue Pflege- und Katzenräume eingerichtet worden. Für dieses Jahr könnte die Erneuerung der Hundehäuser an der Reihe sein. "Ein Herzenswunsch", sagt Margot Schneider, die jeden Tag aus Leverkusen zu ihrer Arbeitsstelle fährt.
Aktuell sind im Tierheim rund 45 Hunde, 155 Katzen und 30 Kleintiere untergebracht. Durchschnittlich 500 Euro an Futterkosten fallen da täglich an, auch wenn vieles gesponsert wird. Träger der Anlage ist der Tierschutzverein für den Kreis Neuss um seine Vorsitzende Uta Wegener. Finanziert wird das Tierheim über Beiträge, Spenden und Zuschüsse (Lohnkosten). Sechs feste Mitarbeiter einschließlich der Leiterin sind dort beschäftigt, darunter zwei Auszubildende; hinzu kommen noch knapp 20 freiwillige Helfer. "Wir sind ein mittelständischer Betrieb", meint Margot Schneider und lächelt, während eine Katze um sie herum schnurrt und sich liebevoll an sie schmiegt. "Katzen sind Persönlichkeiten – da steckt man nicht drin."
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