Rommerskirchen (NGZ). Eckum (S.M.) Am Sonntag sind die rund 2400 Protestanten am Gillbach dazu aufgerufen, ihr neues Presbyterium zu wählen.
In dem zehnköpfigen Leitungsteam der Evangelischen Kirchengemeinde sind acht Positionen zu vergeben, wobei Pfarrer Thomas Spitzer und Küsterin Christine Schmitz als Mitarbeiter-Presbyterin von vornherein „gesetzt“ sind.
Nach der um 18 Uhr beginnenden Auszählung soll im Gemeindezentrum am Grünweg eine zünftige Wahlparty steigen, kündigt Thomas Spitzer an, der nochmals an die Gläubigen appelliert, sich möglichst rege an der sonntägigen Abstimmung zu beteiligen.
Auch wenn über das neue Presbyterium noch nicht entschieden ist, steht dagegen schon fest, dass es seine erste Klausurtagung vom 18. bis 20. April in Wuppertal abhält.
Zielvorgabe: 300 Haushalte
Dabei wird auch die im vergangenen Sommer von einer Gemeindeversammlung beschlossene Kirchgabe „ein ganz wesentliches Thema“ sein, kündigt Thomas Spitzer an.
Der seit 23 Jahren amtierende Pfarrer hatte seinerzeit keinen Zweifel daran gelassen, dass es sich um die wohl wichtigste Entscheidung der seit 1961 bestehenden evangelischen Gemeinde handelt, geht es doch in letzter Konsequenz um die Bewahrung ihrer Eigenständigkeit.
Fast auf den Tag genau ein halbes Jahr nach der Entscheidung für die freiwillige Abgabe der Gläubigen zieht Thomas Spitzer eine positive Zwischenbilanz, lässt zugleich aber keinen Zweifel daran, dass noch einiges an Arbeit zu leisten ist, ehe das Projekt abgeschlossen ist.
„Unsere Zielvorgabe war es, 300 Haushalte zu erreichen - wir sind bei der Hälfte“, beschreibt der Geistliche den aktuellen Status quo bei der Umsetzung des Beschlusses pro Kirchgabe. Für Thomas Spitzer liegt der bisher erzielte Wert „im Rahmen des zu Erwartenden, es entspricht schon der Kalkulation“.
Zugrunde liegt dieser ein jährlicher Bedarf von 72000 Euro, wobei das amtierende Presbyterium 2007 die Berechnung zugrunde gelegt hat, dass 300 der 2400 Gemeindemitglieder monatlich ein Kirchgeld von 20 Euro spenden - wobei de facto natürlich die individuellen Möglichkeiten berücksichtigt werden. Dies ist insoweit auch eingetreten, gespendet hätten „manche ein bisschen mehr, manche ein bisschen weniger“, so Spitzer.
Veranlasst hat die Entscheidung für die Kirchgabe eine im Herbst von der Evangelischen Kirche im Rheinland angestellte, langfristige Steuerprognose, die nicht nur in Rommerskirchen Kopfschmerzen bereitet: Bis 2030 rechnet die Landeskirche nämlich mit einem Drittel weniger Mitglieder und mit nur noch der Hälfte der Steuereinnahmen.
Steuereinnahmen schrumpfen
Auch wenn seinerzeit bei Rommerskirchens Protestanten mit ganz spitzem Stift gerechnet wurde, zeigte sich, dass bei den Einsparungen schon bald das Ende der Fahnenstange erreicht sein würde und letzten Endes die Einnahmesituation verbessert werden muss.
Selbst der - von der Gemeinde ausdrücklich verworfene - Verkauf der Frixheimer Kreuzkirche hätte lediglich eine Ersparnis von 20 000 Euro jährlich bedeutet. Auch die ohnehin dünne Personaldecke ließ sich nicht weiter kürzen, so dass allein eine deutliche Verbesserung der Einnahmesituation die Wende zum Besseren bringen kann.
Würde die Gemeinde dem durch die Steuerprognose aufgezeigten Trend nicht aktiv entgegensteuern, drohte ihr ab 2011 die Zahlungsunfähigkeit - die erst seit 1961 datierende Eigenständigkeit der evangelischen Gemeinde wäre über kurz oder lang passé. Die evangelischen Christen am Gillbach würden künftig von Grevenbroich, Wevelinghoven oder Dormagen „mitbetreut“.
Die Pointe bei der Ende August 2007 eingeführten Kirchgabe: Sie bleibt im Gegensatz zur Kirchensteuer in vollem Umfang der Gemeinde erhalten und käme unter anderem der Jugend- und der Seniorenarbeit der Gemeinde zugute.
In den kommenden Monaten soll nach Thomas Spitzers Worten weiterhin aktiv die Werbetrommel mobilisiert werden, um so viele Gläubige wie möglich für die Kirchgabe zu gewinnen. Auch „eine größere Aktion“ sei geplant. Über die Details und den Termin wird das neue Presbyterium bei seiner Klausur in Wuppertal entscheiden.
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