Rommerskirchen (NGZ). Bundesweit betraten die Grünen vor 30 Jahren die politische Bühne – in Rommerskirchen erfolgte dieser Schritt erst 15 Jahre später. Fraktionsvorsitzender Jupp Kirberg erinnert sich.
Rommerskirchen Als die Grünen in Rommerskirchen die politische Bühne betraten, waren die Bundesgrünen aus den Flegeljahren schon lange raus. Warum aber fand sich erst vor 15 Jahren das "grüne Rommerskirchen" zusammen, während anderswo in der Republik das "grüner Herz" schon seit 1980 kräftig pochte?
Dazu Fraktionsvorsitzender Jupp Kirberg (75): "Die Rommerskirchener Mitglieder im Kreisverband Neuss hatten sich in ihren Belangen bisher vom Kreisverband und vor allem von der Kreistagsfraktion vertreten lassen, der ich zu dieser Zeit angehörte" Aktuelle Themen – beispielsweise Metallhütte Schumacher – ließen indessen Überlegungen immer konkreter werden, die Grünen auch am Gillbach Fuß fassen zu lassen. In "Lichter's Oldiethek" wurde bei diversen Besprechungen mit der Kreistagsfraktion schließlich die Gründung eines eigenen Ortsverbandes vorbereitet mit dem Ziel, künftig auch im Gemeinderat mitzumischen. "Der Einzug in den Gemeinderat war gleichzeitig mit einem Politikwechsel verbunden: Bürgermeister Glöckner betrat die politische Bühne", erinnert sich Kirberg zehn Jahre später, "daher war das Auftreten eines grünen Ratsmitglieds weniger aufsehenerregend." Die Zusammenarbeit mit Albert Glöckner funktioniert gut: "Er nimmt unsere Vorstellungen ernst." Deshalb habe man ihn bei der zurückliegenden Wahl zusammen mit SPD und FDP als gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten unterstützt.
Jupp Kirberg
Jupp Kirberg ist seit 1984 Mitglied bei den Grünen. Für den gebürtigen Düsseldorfer, der seit zwölf Jahren in der Gemeinde Rommerskirchen lebt, hat sein Engagement auch religiöse Gründe: "Es ist meine christliche Überzeugung, für die Bewahrung der Schöpfung mein Scherflein beizutragen." Der pensionierte Grund- und Hauptschullehrer ist darüber hinaus vielfältig aktiv, sei es im Gospelchor oder in der Theatergruppe. Viel Zeit verbringt er mit dem Hund, darüber hinaus wird geradelt. Und im Sommer? Dann wird gereist!
Doch was waren und sind die "heißen Eisen", die die Grünen in Rommerskirchen schmieden? Kirberg spricht von einem "weiten Feld", nennt unter anderem Probleme der Verkehrsflüsse, das unzureichende Busangebot sowie die vielerorts fehlende Infrastruktur und die sich durch die Nähe zum Braunkohletagebau ergebenden Auswirkungen: "Verschattung der Gemeindeflächen und Verschandelung der Landschaft durch die Kohleverstromung einschließlich vieler Hochspannungstrassen." Ganz aktuell sei der Verbrauch weiterer Flächen durch Gewerbeansiedlung, Wohnungs- und Straßenbau ein Thema: "Hier muss besonders hingeschaut werden." Als Erfolge bisheriger grüner Arbeit in Rommerskirchen wertet er das dank engagierter Förderung des Radverkehrs erworbene Prädikat einer fahrradfreundlichen Kommune sowie die Partnerschaft zum französische Mouilleron le Captif.
Ideen, was noch realisiert werden muss, gibt es reichlich: Auf der Wunschliste steht ein Arbeitskreis Öffentlicher Personennahverkehr ebenso wie die Forderung, bei einer möglichen Umgestaltung der Venloer Straße die Interessen der Bürger im Blick zu behalten. Auch die Landschaft gelte es aufzuwerten, beispielsweise durch Baumpflanzung entlang der Wirtschaftswege. Naturnaher Spielraum für Kinder steht ebenso auf der Agenda wie eine Aktualisierung des Gemeinde-Entwicklungskonzepts. "Nicht zuletzt muss das Bahnhofsumfeld endlich neu gestaltet werden", so Kirberg. "Hier fühlen wir uns, jetzt in Fraktionsstärke, kompetent genug, ein Wörtchen mitzureden."
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