Rommerskirchen (NGZO). Auf Seite 105 der Programmheftes von "Rut-Wieß" Rommerskirchen sind frauenfeindliche und rassistische Witze abgedruckt. Die Broschüre sei nicht gegengelesen worden, heißt es. Inzwischen wurde die Seite entfernt.
Rommerskirchen Zu gut 70 Prozent besteht es aus Werbeanzeigen, 30 Prozent des Programmhefts der Karnevalsgesellschaft "Rut-Wieß" Rommerskirchen machen Grußworte und andere Texte aus. Wie es mit derartigen Heften nun einmal ist – von A bis Z gelesen werden sie selten, was der ursprünglichen Fassung der Karnevalsbroschüre vielleicht auch ganz gut getan hätte.
108 Seiten Seiten stark ist das Heft, und was Paul-Rolf Essel auf Seite 105 entdeckt hat, empfindet er als "äußerst empörend und beschämend". Auf der erstmals im Programmheft zu findenden Witzeseite hat er Beiträge gefunden, die nach seinen Worten "in derber grafischer und verbaler Ausdrucksweise ganz unverblümten Sexismus, Frauenfeindlichkeit und Rassismus vermitteln". Für Essel ist dies kontraproduktiv, es habe weder etwas mit Narretei noch mit Karneval zu tun. Vielmehr würden die Grenzen des guten Geschmacks hier bei weitem überschritten, zumal die Festschrift mit diesem zwielichtigen und schlüpfrigen Inhalt bereits einer breiten Öffentlichkeit und damit auch Kindern und Jugendlichen frei zugänglich gemacht würden, klagt der Gymnasiallehrer. "Hätte ich in den Jahren 1985/86, als meine Tochter Nadine und ihr Vetter Dirk das Prinzenpaar stellten, eine solche Festschrift vorgelegt bekommen, wären die Kinder in dieser Session jedenfalls nicht mehr aufgetreten."
Die Session läuft gut
Mit 870 Besucherinnen war die "Große Mädchensitzung" vergangene Woche gut besucht. Doch auch bei den Herren- und die Kindersitzungen der KG Rut-Wieß wirkt das Publikum selbst aktiv mit. Die Jecken können den tollen Tagenjedenfalls gelassen entgegen sehen, deren Höhepunkt der Festzug am Karnevalssonntag sein wird.
Daran, dass die Qualifizierung der Witze durch Paul-Rolf Essel zutreffend ist, kann es keinen Zweifel geben – auch die Karnevalisten selbst bestreiten dies nicht. Jürgen Schulz, der Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft "Rut-Wieß", räumt ein, dass derartige Witze nicht in dem Programmheft hätten erscheinen dürfen. "So etwas darf nicht passieren, aber es ist nun einmal passiert."
Schulz zufolge war es nicht die Absicht, Leute zu brüskieren und zu diffamieren: "Wir entschuldigen uns in aller Form bei allen, die sich hierdurch betroffen fühlen." Er bedauert, dass die Hefte nicht gegengelesen wurden. Zugleich weist der Chef der Rommerskirchener Karnevalisten darauf hin, dass man sofort reagiert habe. Hefte mit der ominösen Seite 105 seien in nur geringer Anzahl öffentlich verteilt worden, Schulz spricht von etwa 50 Exemplaren. Die weit überwiegende Mehrzahl der Broschüren sei während des von weit mehr als 1000 Menschen besuchten Sitzungskarnevals am vergangenen Wochenende ausgelegt worden – und in denen sei die Witzeseite ersatzlos entfernt worden, so Schulz. Aus dem Fauxpas wollen die Karnevalisten Konsequenzen für die Zukunft ziehen. "Künftig wird es keine Witzeseite in unseren Programmheften mehr geben", kündigt er an.
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