Hoffenheimer Durchmarsch in die Bundesliga: Nur Geld schießt keine Tore
Hoffenheim (RPO). Auch die 1:2-Schlappe am Sonntag gegen Aachen ändert nichts daran: Die TSG Hoffenheim 1899 schafft den Durchmarsch in die Bundesliga - und geht als "unbeliebtester Aufsteiger aller Zeiten" in die Annalen ein. Aber ist es verboten, sich Erfolg zu kaufen?
20 Millionen Euro hat der Klub nach dem Aufstieg aus der Regionalliga vor der Saison für neue Spieler ausgegeben und damit alle bisher bekannten Dimensionen im Fußball-Unterhaus gesprengt.
Die Scouts haben ihre Fühler in alle Herren Länder ausgestreckt. Carlos Eduardo kam für sage und schreibe acht Millionen Euro (teuerster Zweitliga-Transfer aller Zeiten!) aus Brasilien, Chinedu Obasi (sechs Millionen!) aus Norwegen und Demba Ba (drei Millionen!) aus Belgien. Zum Vergleich: Mitaufsteiger St. Pauli machte im Sommer insgesamt 150.000 Euro für neue Spieler locker.
Der Hamburger Kultklub hat den Klassenerhalt quasi in der Tasche, nach oben geht aber nichts mehr. Ganz anders ist das in Sinsheim-Hoffenheim: Die Niederlage am Wochenende war die allererste 2008, so lange blieb in diesem Jahr kein deutscher Profi-Klub unbesiegt.
Die TSG sonnt sich im Erfolg, Platz zwei steht zu Buche, der Aufstieg der Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick wird wohl nicht zu verhindern sein. Nach der unvermeidlichen Selbstfindungsphase steht jetzt auch die Abwehr sicher, die Offensivabteilung hatte ohne Anlaufschwierigkeiten für Furore gesorgt.
Die Fußball-Experten sind sich einig: Zwei Aufstiegsplätze sind bereits vergeben, neben Borussia Mönchengladbach ist auch Hoffenheim in der kommenden Saison erstklassig. Erst fünf Klubs haben bislang den direkten Durchmarsch von der Drittklassigkeit ins Oberhaus geschafft.
Hoffenheim loben - das fällt vielen schwer
Ist es also an der Zeit, anerkennend mit dem Kopf zu nicken? Den Trainer für seine taktischen Künste zu loben und den Manager für sein glückliches Händchen? Vielen Fans und Funktionären fällt das schwer. Jenen, deren Klub chronisch klamm ist und jeden Euro nicht nur zweimal umdrehen, sondern röntgen muss.
Statt finanzieller Sorgen hat die TSG einen großzügigen Gönner: Dietmar Hopp, SAP-Gründer, milliardenschwer und sportbegeistert. Er unterstützt den Eishockey-Klub Adler Mannheim, den Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar-Löwen, und als dem Fußball-Oberligisten Waldhof Mannheim der Ruin drohte, spendete er 300.000 Euro aus seinem Privatvermögen.
Seine größte Leidenschaft ist aber der Fußball in Hoffenheim. Hopp bekleidet kein Amt, finanziert aber die kostspieligen Transfers des Klubs und trägt den größten Teil zum Etat bei. Der 67-Jährige hat eine Vision, er will "mittelfristig im Bundesliga-Mittelfeld" stehen, hat er einmal gesagt. Dass er viel mehr im Sinn hat, ist wohl eher die Wahrheit.
Als "Retortenklub" verschrieen
Bei der TSG ist alles möglich, der finanzielle Rahmen ist beliebig erweiterbar. Da gibt es Neider, mit so viel Geld könne doch jeder erfolgreich sein, sagen sie.
Aber Hoffenheim hat ein Konzept.
Die Arbeit besteht nicht aus einem planlosen Geld-Hineinpumpen in einen gerne als "Retortenklub" verschrieenen Verein. Hoffenheim hat mit Rangnick vor der vergangenen Saison einen erfahrenen Mann als Trainer geholt, Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus arbeitete schon beim VfB Stuttgart und mit Hans-Dieter Hermann betreut der Nationalmannschaftspsychologe die TSG-Kicker.
Dazu wurde Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters (der, den schon Klinsmann für die DFB-Elf wollte) als Direktor für Sport- und Jugendförderung mit einem langrfristigen Vertrag ausgestattet. Mit Rainer Schrey gibt es sogar einen Trainer, der einzig und allein für die Athletik der Sportler zuständig ist.
Die TSG will die Spieler rundumbetreuen, will, dass sie sich wohlfühlen - und gute Leistungen bringen. Bislang klappt das hervorragend. Dabei ist der Eindruck, dass sie sich eine Mannschaft mit teuren Spielern zusammenkauft, falsch: Die A- und B-Jugend des Klubs spielen in der Bundesliga, mehrere Kicker haben einen Platz in den DFB-Nachwuchsteams. Der Torschütze beim 1:2 gegen Aachen am Sonntag war mit Kai Herdling ein Mann aus der eigenen Talentschmiede.
Übrigens ist auch diese finanziell gut ausgestattet: Der Etat für die Jugendarbeit der TSG ist der höchste in ganz Deutschland.
Bayern war schon immer ein Klub der viel Geld hatte. Von Anbeginn an. Und Hoffenheim macht im kleinen nix anderes als die ''großen'' Bayern. Mit viel Geld einen Spitzentrainer und gute Spieler...
Naja, die sportlichen Erfolge der Bayern wären in diesem Maße auch nicht möglich gewesen, wenn sie 1972 nicht das Olympiastadion bekommen hätten. Insofern durchaus vergleichbar!
Natürlich kann Herr Hopp mit seinem Geld machen was er will, natürlich kann er sich eine Mannsacht für den UEFA Cup zusammen kaufen, natürlich kann er sich mit Rangnik einen der taktisch stärksten...
Soll Rene Adler bei der WM im Tor stehen?
















































