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Der Klimawandel wird konkret. Was hält man als Normalsterblicher von der Aussage, in 20 oder 30 Jahren ist es im Schnitt zwei Grad wärmer? Wir haben einige der direkten Auswirkungen, die teilweise bereits zu spüren sind, zusammengestellt.
Die globale Erwärmung bedroht die berühmten italienischen Weinanbaugebiete. Wissenschaftler der Universität Florenz kamen in einer Studie zu dem Schluss, dass der zu erwartende Temperaturanstieg in Kombination mit vermehrten Regenfällen wahrscheinlich die Qualität der Weine in der Toskana gefährdet. Unter den untersuchten Weinen waren berühmte Tropfen wie der Brunello di Montalcino, Chianti Classico, Barolo und Barbaresco.
Zeckenforscher staunten nicht schlecht: Erstmals entdeckten Wissenschaftler in Berlin, dass ihre Forschungsobjekte, die sonst von Mitte Oktober bis zum Frühjahr im Laubstreu überwintern, noch im November, Dezember und sogar Januar aktiv waren. "Den Zecken ist egal, wie der Monat heißt", sagt Professor Jochen Süss, Leiter der Arbeitsgruppe für durch Zecken übertragene Krankheiten am Friedrich-Löffler-Institut in Jena. "Die sind ab sieben Grad Celsius auf Wirtsuche." Die neuerdings ganzjährige Aktivität von Zecken ist nur ein Indiz dafür, dass der Klimawandel die Ausbreitung der Spinnentiere begünstigt - mitsamt der von ihnen übertragenen Erkrankungen.
Wegen des milden Winters sind die ersten Weißstörche bereits Ende Februar aus ihren südlichen Überwinterungsquartieren nach Bayern zurückgekehrt. "Noch vor einigen Jahrzehnten wurden die Mitte März eintreffenden Tiere als Frühankommer bezeichnet", sagte eine Sprecherin des Vogelschutzbundes.
Der UN-Klimarat rechnet fest mit "steigenden Zahlen von Todesfällen, Verletzungen und Erkrankungen durch Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürme, Waldbrände und Dürren". Mehr "hitzebedingte Sterblichkeit" sei vor allem in Europa und Asien zu befürchten.
Einige hundert Millionen Menschen in dicht besiedelten Küstenregionen seien allein durch den Meeresspiegelanstieg bedroht. Mehr als ein Sechstel der Weltbevölkerung lebt laut dem Expertengremium in Regionen, wo Gletscher und Schnee wichtige Wasser-Reservoirs sind - die aber "sehr wahrscheinlich" weiter schwinden.
Für 20 bis 30 Prozent aller Arten bestehe ein "hohes Risiko der unwiderruflichen Auslöschung", sollte die globale Durchschnittstemperatur um weitere 1,5 bis 2,5 Grad Celsius - verglichen mit 1990 - steigen, heißt es im UN-Klimabericht.
Mit Blick auf den Klimawandel haben Wissenschaftler aus aller Welt ihre Sorge um Nord- und Südpol geäußert. Arktis und Antarktis seien "höchst anfällig" für den Anstieg der Temperaturen in Folge der Erderwärmung, so Experten.
Im Oberbergischen Kreis stellten die Bauern in den 50er Jahren den Getreide-Anbau weitgehend ein, die vergleichsweise niedrigen Temperaturen ermöglichten keine wettbewerbsfähigen Erträge. Inzwischen sind viele als Weideland genutzte Flächen wieder Äcker, berichtet Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Rheinland. Die Erwärmung macht die Rückkehr von Mais und Getreide möglich.
Johann Schnell (38), Winzer im rheinhessischen Guntersblum, kann den Anbau von Rebsorten riskieren, mit denen noch sein Vater mangels Wärme eine Missernte nach der anderen erlebte. Merlot statt Riesling heißt die Devise. Das Mehr an Sonne habe den Alkoholgehalt von rund zehn auf 13 bis 14 Prozent steigen lassen. Da Verdünnen mit Wasser nicht in Frage komme, bleibe nur der Umstieg auf andere Sorten.
Neue Arten wandern ein. Am Bodensee, wo die Winter milder geworden sind (im Durchschnitt um 2,7 Grad), haben Zoologen der Universität Mainz die bislang nur in Mittelmeerraum heimischen Zippammern und Felsenschwalben gesichtet, während der Bestand an Uferschnepfen und Gelbspöttern zurückgegangen ist. Problematisch sei, sagte die Zoologin Katrin Böhning-Gaese, dass die kühlere Lagen suchenden Arten kaum noch Ausweichmöglichkeiten fänden.
Unter der Erwärmung haben haben neben wetterfühligen Menschen vor allem die zwölf Millionen Pollenallergiker zu leiden. "Durch das wärmere Klima wird sich die Heuschnupfensaison deutlich ausdehnen", prognostiziert der Medizin-Meteorologe Dr. Klaus Bucher vom Deutschen Wetterdienst.
Bei einer Unmfrage von travelchannel.de und der Reisemesse ITB äußerten 64,3 Prozent der Befragten, sie würden sich gegen einen Mittelmeerurlaub entscheiden, wenn es dort zu warm ist und stattdessen ein nördlicher gelegenes Reiseziel auswählen. Alternativ können sich 85,2 Prozent vorstellen, ihren Mittelmeerurlaub auf das Frühjahr oder den Herbst zu verschieben, um der größten Hitze zu entgehen.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte, der Klimawandel bedeute für die Welt eine ähnlich große Gefahr wie ein Krieg. Die UN konzentrierten sich in ihrer Arbeit immer noch stark auf die Vermeidung und die Beilegung von Konflikten. Allerdings sei die Gefahr, die von der globalen Erwärmung ausgehe, mindestens genauso groß.